Antiquariat Dieter Zipprich
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Bordbuch

5. Juni 2016:

" DAMIT IHR ERKENNT: WELTPOESIE ALLEIN IST WELTVERSÖHNUNG "

Dieses Jahr gedenkt man dem Dichter, Philologen und Zeitkritiker FRIEDRICH RÜCKERT: anlässlich seines 150. Todesjahres finden in Franken an verschiedenen Orten, die mit seinem Leben und Arbeiten verbunden sind, Veranstaltungen statt. Die Ausstellung "Der Weltpoet" ist noch bis zum 10. Juli in der Kunsthalle Schweinfurt zu sehen, danach aber noch in Erlangen (24. 7.-13. 11. 2016) und in Coburg (4.1.-17.4. 2017). Zu dieser Ausstellung ist im Wallstein Verlag ein umfangreicher Katalog erschienen, der das überreiche Schaffen und das erfüllte Leben des Dichters und Orientalisten vortrefflich dokumentiert.

Beim sehr lohnenden Besuch der Ausstellung, die u.a. reich mit antiquarischem Material bestückt ist, gewann die Person Rückert für mich ein hohes Maß an Profil und Lebendigkeit. Insbesondere wurde mir Stimmigkeit und Dichte eines Lebens spürbar, in dem der Witz, eine liebevolle menschliche Grundstimmung, Lust am Wort und aber auch akribische wissenschaftliche Arbeit an den Sprachen zu einer individuellen Größe zusammenfinden. Letzlich ist es immer der auf die Essenz zielende Poet, der sich hier im Gewand des Philologen gierig gleich auf das Beste, was eine Sprache hervorgebracht hat, wirft und mit seiner ganzen Dichtergabe die geistigen Schätze fremder Kulturen den Deutschen zugänglich macht. Die Motivation und die Früchte seines Schaffens können wohl kaum überschätzt werden.   Siehe den Link:  rueckert-weltpoet.de

 

 

 

 

 

1. Juli 2016:

HEIMAT EUROPA

Den Rucksack voller löchriger Steine und raffinierter Muscheln, einem vom Salz korrodierten Biedermeier-Türgriff und zwei gedörrten Katzenhai-Brutbeuteln wieder heil eingetroffen in Bamberg! Die Reise führte uns weit in den Westen Europas, das derzeit politisch sich selbst nicht ganz hold zu sein scheint und an dem vielerorts Kräfte zehren, die scheinbar der Heiligkeit von Frieden und Solidarität gerne ins Gesicht spucken möchten. Wir haben die flache, lichtvolle und duftende Ile d´Oléron besucht und uns am Rauschen des Atlantiks nicht satthören können, nicht aufhören können, Fossilen zu sammeln und die langen Strände auf und ab zu wandeln. Licht, Wasser, Erde, Luft. Der Antiquar empfiehlt demjenigen, der bis hierher gelesen und evtl. einen Bezug zu Frankreich hat oder haben möchte, das Buch von Theodor Fontane: Kriegsgefangen. Erlebtes 1870. (E.A. Berlin, Decker, 1871, besonders die Seiten ab S. 177 bis Ende). - Der Autor beschreibt seine dreimonatige Gefangenschaft auf der Ile d´Oléron, die er verbüßen musste aufgrund von Spionage-Verdacht. Neben Schilderungen der Insel und des Lebens ihrer Bewohner, finden breiten Raum die mitmenschlichen Erlebnisse und Beobachtungen. In Krieg und Haft, freilich im Status als höherer Offizier, wird Fontane nicht müde, das Entgegenkommen und die Liebenswürdigkeiten der Franzosen, die Korrektheit der Behörden, aber auch die Schwächen, Schicksale und Eigenarten der Mitgefangenen detailreich und oft humorvoll zu schildern.

 

Bildergebnis für Schloß Charlottenhof6. August 2016

 Kupferstichsammler! Aufgemerkt!

Soeben zurückgekehrt aus Berlin und Potsdam, wo wir tagelang Gärten und Parkanlagen besichtigt haben, sei folgender Hinweis erlaubt, für diejenigen unter Ihnen, die es zufällig noch nicht wissen sollten: An Sanssouci vorbei, weiter hinten in dem ungeheuren Park, befindet sich Charlottenhof, des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. Sommerhaus. Die Villa, elegant im römischen Stil, umgeben von reicher Blütenpracht und weinumrankt, ist an den Wänden von Raum zu Raum nahezu ausschließlich mit Kupferstichen ausgestattet, die aus der Sammlung des Kronprinzen stammen. Sie finden die Original-Hängung vor in den Original-Rahmungen, die zumeist von Karl Friedrich Schinkel selbst entworfen sind, der ja auch die Villa bis ins Detail geplant hat. Zumeist sind italienische Veduten, südliche Landschaften und Meister der Renaissance zu sehen. Die Stiche und das Gold der Rahmen kontrastieren gelungen mit den Farbgebungen der Wände, alles ist sehr privat und erlesen, wurde jedoch nie bewohnt. Ein sehr besonderes ästhetisches Erlebnis und natürlich eine Bestätigung für jede Sammlertätigkeit in diesem Gebiet.

 

 

" nützlich und wunderbarlich kreuter zu allerley gebrechen... "                                                                                           8. September 2016

 

 

 

Den strahlenden Spätsommertag im Ansbacher Hofgarten trefflich zugebracht. Die Trockenheit der vergangenen Monate hat Rasen und  Bäumen zugesetzt, die bunten, prächtigen Stauden-Rabatten sind aber dank der unermüdlichen Arbeit der Gärtner mit großer Freude anzusehen. Der Bücherfreund findet plötzlich an der schattigen Mauer des Gartens dieses Epitaph für den Mediziner und Botaniker Leonhart Fuchs (17.1.1501 - 10.5.1566). Gerne hätten wir doch alle schon immer ein schönes, altkoloriertes Exemplar von De Historia Stirpium commentarii insignes. Isingrin, Basel 1542, oder (auf Deutsch) das New Kreüterbuch. Basel, 1543 im Schrank gehabt, - freuen uns aber ebenso über die liebevoll gepflanzten Fuchsien bei dem Gedenkstein, wandern als störanfällige Mängelwesen dankbar den Kräutergarten weiter hinten ab, der mit einem guten Teil der in seinen Büchern besprochenen, erstmals einheitlich lateinisch bezeichneten Heilkräutern bestückt ist. Wer hier weiter im kühlenden Hauch der Alleen spazieren geht, der trifft außerdem auf den Dichter des Rokoko Johann Peter Uz und den Kaspar Hauser, denen die braven Ansbacher schöne Denkmäler gesetzt haben.